Überschreitung Tennengebirge

 

 

Nachdem in den Jahren zuvor die großen Karstgebirge mit großer Freude durchquert wurden, war mit dem Tennengebirge noch ein kleineres übrig, was aber aufgrund seines steilen Aufstiegs und den nicht so richtig bewirtschafteten Hütten viel Einsamkeit versprach.

Studiert man das Kartenmaterial über das Tennengebirge, so gibt es doch für ein so kleines Gebirge einige Wege rein und raus. Aber fast alle Wege sind entweder ziemlich weit oder doch auch mit einigen Höhenmetern verbunden, der Zustieg per Seilbahn der Eisriesenwelt ausgenommen. Ebenso gibt es kein Wasser und die Hütten sind aktuell bestenfall bewartet, da sich ein durchgängier Betrieb wohl nicht lohnt. Als Route wurde gewählt: Karaalm - Laufener Hütte - Bleikogel - Edelweißer Hütte - Raucheck - Leopold-Happisch-Haus - Niedertörl - Pass Lueg mit Übernachtung bei den beiden fettgedruckten Hütten.

 

 

Tag 1:

Nachdem ein Auto in Pass Lueg abgestellt wurde, ging es einmal nördlich um das Tennengebirge, was in einem schon durch die Einblicke die Vorfreude steigen ließ. Ein steiler Karsthaufen mit vielen imposanten Felszacken am Rande. Von Abtenau aus folgt eine kleine, schmale Straße am Skigebiet vorbei bergauf, die nach vielen Kurven und Viehzäunen an einem Parkplatz in einer kleinen Senke endet und dann ggf. auf Schotter noch zu einem zweiten Parkplatz an der Karaalm führt. Aufgrund der Wasservorräte ging es mit schweren Rücksäcken auf weichem Pfad durch den Wald hinauf, bis sich aufgrund des steilen Geländes die ersten Lichtungen öffnen.

 

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Vorbei an der Wandalm, wo die Vegetation tatkräftig versucht den Weg zurück zu erobern, folgt man über ein enges Band am Fels entlang in das erste geröllige Kar am Törleck, über dessen Stufen man sich langsam in das Gebirge hineinkämpft.

 

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Es folgen die üblichen kleinen Stufen, teils durch enge Felsgassen auf einem sehr angenehmen Weg, bis langsam die Laufener Hütte näher kommt.

 

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Die Laufener Hütte ist nicht bewirtschaftet, aber bewartet. Abwechselt übernimmt Woche für Woche ein Sektionsmitglied die Arbeit auf der Hütte, stellt die Betten, die Küche und auch einen Getränkeverkauf zur Verfügung, was alles einen sehr guten Eindruck hinterlässt und größten Respekt verdient, wie eine Sektion einen fehlenden Hüttenwirt auffängt.

 

 

Tag 2:

Da die Hütte im Kessel liegt, hat man zwar einen Guten Blick auf alle Zustiegswege und die umliegenden Gipfel, der Weg durch das Gebirge lässt sich aber von der Terrasse nur erahnen. Aber nach einem wechselhaften ersten Tag war immerhin klar, dass der kalte Wind bald warmen Sonnenschein weichen wird.

 

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Langsam geht es Stufe für Stufe nach oben, verbunden mit stetiger Abnahme an Vegetation in Austausch gegen immer mehr Ausblick nach rechts und links.

 

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Ab einer Höhe von ca. 2000m verschwindet das Grünzeug erwartungsgemäß komplett und man steht plötzlich vor dem massiven Bleikogel, hat aber zum ersten Mal auch einen kompletten Überblick auf die Lage der Laufener Hütte.

 

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Ebenso befand man sich nun auf dem Grundniveau der Hochebene, was aber leider trotzdem weiterhin mit vielen sinnlosen Höhenmetern verbunden war, denn natürlich ging es auch in diesem Gebirge andauernd hoch wie runter in kleinen Episoden.

 

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Den Bleikogel umrundet man erst linksseitig, bis man ihn von hinten her besteigen kann. Er bietet einen wunderbaren Ausblick, zurück sowie auch nach vorne über das gesamte Gebirge und auch in die Ferne mit Hochkönig und den Berchtesgadener Alpen.

 

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Das Bild beschreibt die nachfolgenden Stunden sehr gut. Grau in grau, aber toller Fels, wie auch im Steinernen Meer die Notwendigkeit von gutem Wetter zur Wegfindung und keinerlei Chance auf Wasser.

 

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Trotzdem finden sich aber auch ein paar wilde Bewohner, die aber extrem hartnäckig sein können, wenn sie salzige Nüsse im Rucksack finden. So rücksichtslose Draufgängerschafe hatte ich noch nirgends sonst erlebt.

 

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Geht es nach dem Bleikogel eher langfristig erst wieder bergab, in Richtung Schubbühel dann wieder ordentlich bergauf, so ist es nachfolgend bis zur Wenger Scharte alles sehr komprimiert und man fragte sich irgendwann, wie oft man denn noch nur nach oben geht, um eh wieder abzusteigen.

Auch nach der Wenger Scharten änderte sich dies aufgrund der Routenwahl zur Edelweißer Hütte nicht, aber nun gab es für die Augen immerhin auch wieder andere Farben als unten grau und oben blau. Auch das Leopold-Happisch-Haus zeigte sich zum ersten Mal ganz klein in der Ferne.

 

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Von der Streitmandlscharte ist es aber zum Glück auch nicht mehr weit zur Edelweißer Hütte, auch die Umgebung wurde nun wieder abwechslungsreicher. Die Hütte ist an Wochenenden und manchmal auch in den Ferien bewartet. Ansonsten steht ein kleiner Biwakraum zur Verfügung, der aber nur extrem ungemütlich wirklich die angegebenen vier Schlafplätze zur Verfügung stellt und auch nur wenn man sich gut kennt. ;)

 

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Die Hütte war gut besucht, die Sektion hatte Besuch aus der Fremde und alle nach oben eingeladen. Es gibt ein paar Getränke auf freiwilliger Bezahlbasis und bei bewarteter Hütte auch eine Stube und einen größeren Schlafraum unterm Dach. Die Hütte liegt direkt am mittleren Streitmandl. Alleine die Lage macht einen Besuch schon lohnenswert, aber auch das Team der Sektion ist von der Herzlichkeit und dem Einsatz ein Paradebeispiel, was eine Berghütte ausmachen muss.

 

 

Tag 3:

Auch an diesem Morgen schien die Sonne gleich in vollem Glanz.

 

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Auf gleicher Höhe ging es auf den südwestlichen Kamm des Tennengebirges und vorbei am Raucheck.

 

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Anschließend sollte es leider wiederum stetig wechselnd nach hoch und runter gehen, diesmal aber auch noch auf kurzen Strecken sehr schmal und ausgesetzt, ohne Trittrinne und nur irgendwie am Hand auf winzigen Bändern entlang. Sieht der höhere Weg auf der Karte als nicht so viel Umweg in Richtung Leopold-Happisch-Haus aus, so ist es leider doch ein riesiger Unterschied, der extrem unterschätzt wurde. Es zehrte schon etwas an den Nerven, den zweiten Tag in Folge nach Stunden nicht das Gefühl zu haben, irgendwie wesentlich voran gekommen zu sein.

Schlängelt man sich erst mühsam bergab, eröffnet die Markierung mit der die Ernüchterung, die Scharte gegenüber wieder bergauf in Angriff nehmen zu müssen. Und dann wieder. Und dann wieder. Und dann... wieder. Aber dann ging es auch endlich irgendwann wirklich bergab und eigentlich ist es nur so nervig, weil man in diesen kleinen Kesseln keine so richtige Aussicht hat, wenn man sonst in Sichtweite zum Hochkönig auf dem Grat gemütlang entlanglaufen durfte.

 

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Die steil abfallende Rinne verlässt man über ein sehr enges Band nach rechts und steht dann an der Stufe, auf der das Leopold-Happisch-Haus platziert ist. Letzteres ist weder bewirtschaftet, noch bewartet und hat eine Speisekammer mit Kasse, die aber beim Besuch Anfang August bereits vollständig geleert wurde. Es gibt kein Wasser, ansonsten war aber alles in gutem Zustand und sehr aufgeräumt.

Letztlich verriet der Wegweiser auch ein bisschen die Gründe, warum es vielleicht etwas einsam geworden ist. Mindestens vier Stunden Abstieg waren geschrieben und damit ist die Lage v.a. für Tagesgäste eigentlich weniger interessant.

 

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Nach kurzer Rast war es mittlerweile schon früher Nachmittag. Um noch eine Nacht im Tennengebirge zu bleiben zu früh, aber nach Pass Lueg noch vier bis fünf Stunden voraus. Für jemanden, der die gleiche Tour wählt, sei gesagt, er möge bitte auf den Umweg über Raucheck oben herum verzichten oder von dort zur Eisriesenwelt absteigen, denn das nachfolgende Stück ist anfangs teils noch wunderschön in der Aussicht, aber doch ein endloser Hatsch über einen schlecht ausgeschnittenen Weg und viel Potenzial die Knie zu quälen.

 

Aber wie angesprochen bietet der Weg bis zur Abzweigung auf 1736m aber einen atemberaubenden Ausblick zurück.

 

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Der Abschnitt zum Niedertörl ist ein Kampf gegen wild wuchernde Latschen und leider nicht mehr so gut in Schuss, aber akzeptabel. Ab dann geht es stetig und steil auf einem begrünten Band entlang der Felsen weit hinab, bis man im Wald über viele rutschige Felsen auf der Forststraße landet. Nach 11 Stunden und über 2000 Höhenmetern bergab in den Knien war man erstmal etwas froh dem Tennengebirge entkommen zu sein. Aber eigentlich hat es das nicht verdient und das Gefühl schnell verflogen, denn der Einsatz der Sektionen der Laufener und der Edelweißer Hütte und auch die schroffe Schönheit des in diesem Gebirges noch gedrungeneren Karstgesteins machen es trotz der geografischen Nähe zu weiteren Karstgebirgen zu einer Einzigartigkeit.

Vielleicht bräuchte es eine bessere, infrastrukturelle Anbindung im Stegenwald oder in Pass Lueg, um den Auf- und Abstieg zu erleichtern, vielleicht wäre es auch einfacher gewesen, wenn das Leopold-Happisch-Haus nicht so malerisch wie heute trohnt, sondern eine Stunde weiter bergab oberhalb der Ofenrinne, damit die Hemmschwelle beim Zustieg sinkt. Oder vielleicht wird durch die Situation auf den Hütten doch der ein oder andere, der eher die Ruhe sucht statt die Halbpension, motiviert ins Tennengebirge aufzubrechen. Genug Wasser mitnehmen!