Ursprünglich als Forumspost veröffentlicht unter Zwei Bajuwaren auf dem Totengrill (Juni 2014)

 

 

Gipfellos Glücklich
Oder: Schneetour bei den Toten
Oder: Heimgarten gestreckt auf 5 Tage
Oder: Grenzgang zwischen Oberösterreich und der Steiermark, v.a. beim Saufen
Oder: 4 Personen mit nur 2 Namen zur gleichen Zeit am gleichen Ort
Oder, oder, oder...

Oder einfach nur:

 

Überschreitung Totes Gebirge

 

 

Es war mal wieder so weit, der Norbert und der Franz haben sich auf Wanderschaft begeben. Nachdem es letztes Jahr zu keiner größeren Tour kam, wurde dieses Frühjahr ein Ziel gewählt: Das Tote Gebirge. Mich hat es gereizt, Norbert kannte die Ecke ein kleines bisschen und nachdem für die meisten Bergsteiger im süddeutschen Raum die Alpen am Dachstein nach Osten hin enden, bestand Hoffnung auf wenig Verkehr. Das Tote Gebirge bringt bei der Planung aber schon ein Problem mit sich. Es zu durchqueren erfordert entweder mehr als ein Auto oder extrem gute Nerven bei der Reisezeit der Nahvekehrsmittel vor Ort. Entgegen unseren sonstigen Planungen mussten wir also mit zwei Autos anreisen, was leider verschwenderisch, aber notwendig war. Es ging von West nach Ost: Hinauf zum Ebenseer Hochkogelhaus über die Wildenssee- und Pühringerhütte zur Welser Hütte und wieder hinab. Autos und Rucksäcke wurden beladen, vom Norbert diesmal auch mit anständigen Socken.

 

 

Tag 1:
Die Tour war im Vorfeld schon einmal vom Wetter her mit Fluch und Segen zugleich belegt. Es sollte die ganze Woche ein Bombenwetter haben mit dem Nachteil, dass die Sonne mit Temperaturen über 30°C runterknallen würde. Wir stellten Norberts Auto im Osten des Gebirges am Almtaler Haus ab. Da wir uns entschieden wegerm Wandereraufkommen Sonntags zu starten, gab es dort erstmal eine ewige Parkplatzsucherei, weil das Gebiet bei sehr guten Wetter von den Einheimischen gut genutzt wird. Trotz nicht allzu großer Entfernung, mussten wir aber zum Startpunkt am Parkplatz des Ebenseer Hochkogelhauses über eine Stunde fahren, da man um gut 1/3 des ganzen Gebirges mit seinen langen Tälern herum muss. Durch die Fahrerei und etwas Gebummel am Morgen kamen wir erst relativ spät in unsere Bergschuhe, was uns in die stehende Nachmittagshitze zwang. Die ersten 1000 Höhenmeter gingen somit erstmal nur sehr zäh herum, trotz einladendem Einblick ins Aufstiegskar.

 

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Da das Kar eine Lawinensenke ist, wurde der Weg komplett neu und zugleich stabiler und geschützter angelegt. Somit war die Hitzeschlacht nach oben wenigstens gut gepflastert. Nach 3 Stunden zeigte sich uns dann ein kleines, schmuckes Häuschen auf einem Bergrücken. Wir empfehlen vor allem die Suppen und den abendlichen Blick Richtung Westen. Aber ggf. Vorsicht vor dem Hüttenwirt, der zwischen freundlich und extrem (selbst) gestresst umherspringt. ;)

 

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Tag 2:
Um 5 ging es raus aus den Federn um der Sonne und Hitze Zeit abzugewinnen, aber wir wurden ausgetrickst in unserem Plan: Es hatte die Nacht nicht abgekühlt. Wir hatten trotz morgendlicher Stunde immernoch über 20°C, was bereits nach 10 Minuten gehen darin endete, dass sämtliche Verlängerungen der Bein- und Armbekleidungen dran glauben mussten und wir trotzdem weiter vor uns hin ölten. Hatte ich bis jetzt auch noch nicht. Vorbei am Klettersteig auf die Rauhenkögel ging es das Feuertal hoch.

 

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Aufgrund der bereits vorhandenen Hitze und dem Zeitdruck bis die Sonne uns weiter im eigenen Saft braten sollte, wählten wir auf jegliche Begleitgipfel zu verzichten (die dazu eh bereits in der Sonne lagen, z.B. der Schönberg). Auf diese Anmerkung werde ich später noch einmal zurück kommen, da die Tour damit in einem Kuriosum endete. Von der eigentlichen Planung her war ein Gipfel am vorletzten Tag vorgesehen.
Stellt das Gebiet um Schönberg und Hochkogel nur einen kleinen Ausläufer des Toten Gebirges dar, geht es auf abfallenden Weg am Wehrkogel vorbei hinein in die eigentliche karstige Wüste, zumindest dem Namen nach.

 

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Liebhaber des Steinernen Meeres werden sich sofort glücklich schätzen. Das aus meiner Sicht interessante ist die Höhenlage des Toten Gebirges. Während man im Steinernen Meer größtenteils Fels abbekommt und nur auf den Passagen nördlich von Wasseralm oder Kärlinger Haus kurz die verschiedenen Vegetationsstufen mitmacht, ist es hier anders. Es gibt riesige Hochebenen, die in sich relativ flach sind, aber unterschiedlich hoch. Dadurch wandert man täglich durch ein anderes Landschaftbild, trotz gleichem Fels und wenigen Kilometern Unterschied. Nachfolgend wird dies hoffentlich über die Bilder der nächsten Tage deutlich.

 

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Eine grundlegende Parallele zum Steinernen Meer musste es natürlich geben: Das stetige, niemals enden wollende Rauf und Runter, und das alles in brütender Hitze. Es war unglaublich heiß, weder Wolke noch Schatten in Sicht. Dafür bot die Tagesetappe Abwechslung: Rechts ein schönes Gebirgspanorama nach dem anderen (mal Dachstein, mal Tennengebirge, mal der Hochkönig) und dazu die bekannt schroffen Ausspühlungen im Gestein.

 

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Nach einiger Zeit näherten wir uns dem Rinnerkogel an mit seinem riesigen Kreuz. Von hinten wie ein mikriger Grashügel wirkend ließen wir auch ihn durch die Hitze links stehen, um danach überrascht zu werden was für ein dicker Brocken er eigentlich ist.

 

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Aber dafür war keine Zeit, denn das Wasser ging zur Neige und wir bauten fest durch die frühe Jahreszeit auf eine Quelle, das Jungfrauenbründl, die den Wildensee speist. Durch den Feiertag an Pfingstmontag kamen wir hier zum ersten Mal mit weiteren Wanderern in Kontakt, was uns bis dahin eine schöne Einsamkeit bescherte. Plötzlich waren sie aber da, und das in Scharen. Die Begründung dafür lag aber auf der Hand:

 

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Wir mampften brav fettige, salzige Nüsse um Energie und Elektrolyte aufzunehmen, gepaart mit frischen, eiskalten Quellwasser. Die Hitze war sofort egal, das Wasser schmeckte dadurch nur noch besser und der See vor einem bot mit seinem Ausblick Bestätigung und Genugtuung zugleich für den Ritt über die gefühlten Steinkohlen. Unter Latschen suchten wir Schatten und saßen einfach nur zufrieden da.

 

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Keine 10m hinter dem Ablauf versickert der Abfluss sofort in der Wiese. Lebendige Wiesen (ok, eigentlich mörderische, weil sie ja das Wasser töten) im Toten Gebirge? Ja! Nachdem wir zum See doch gute 400m Absteigen mussten, begann nun der Gang durch die nächste Vegetationsstufe: Eine Hochebene voller Wiesen und Wälder auf 1500m Höhe. Endlich Schatten! Die Grasnarbe war aber nich sehr hoch und die spitzen Felsen ragten alle Meter heraus, was auch den Abfluss des Wassers erklärte.
Unser Tag sollte nur eine Halbe Stunde nach dem See enden, bei der Wildenseehütte, eine AV-Selbstversorgerhütte auf einer Weide, die gespickt ist mit lauter kleinen Häuschen der Almbewirtschafter. Insgesamt brauchten wir 8 Stunden, wobei wir davon sehr lange Zeit alleine schon am See herum lagen.

 

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Der Tag endete mit Donnergroll im Süden, was endlich die erhoffte Abkühlung über die Nacht mit sich brachte und einem tollen Farbenspiel durch die entstandenen Wolken.

 

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Tag 3:
Endlich herrschten mal angenehmere Temperaturen und wir begannen den Tag später als sonst. Der Weg zog sich erstmal noch eine halbe Stunde durch schattigen Wald hin zum Albert Appel Haus, von wo es leicht bergauf wieder raus als der Ebene der Almen ging.

 

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Damit kamen wir wieder höher als die Bäume wuchsen und die Sonne knallte daraufhin natürlich ordentlich. Und auch ein weiterer interessanter Ausblick ergab sich uns: Die am Tag zuvor komplett umlaufene Bergkette zeigte sich zum ersten Mal im ganzen, was uns von der Länge doch überraschte und wir witzelten, warum Menschen um sowas herum laufen müssten.

 

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Vorbei am schön empor stehenden Redener Stein ging es stetig durch die mit Latschen bedeckte Karstebene. Am Tag zuvor noch wenig konfrontiert standen uns nun durch die nordseitige Lage zahlreiche Schneefelder im Wege. Durch die Hitze war der Schnee schon zusammen geschmolzen und keinerlei Hindernis. Die Orientierung stelle sich schon eher als eine heraus. Einerseits, weil links der Woising immer gleich da steht und sich beim umrunden weder in Form noch Entfernung verändert als möglichen Anhaltspunkt, andererseits weil durch all die kleinen Gipfel und Hügel die sich durch die Ebene ziehen keiner eindeutig zu bestimmen ist. Ich glaube wir beide liefen noch nie so planlos blind dem Weg entlang ohne genau zu wissen, auf welchem Teil wir uns von diesem befinden. Das brachte uns immer wieder zu minutenlangen, sinnlosen Diskussionen mit der Karte in der Hand, wo wir regelmäßig kapitulierten und einfach darauf hofften, nach der nächsten Ecke mehr zu erkennen.

 

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Am Ende stellte sich heraus, dass wir viel langsamer und weiter hinten waren als gedacht und die begraste Ecke in der Ferne mit dem Wildgößl endlich als Orientierungspunkt diente. Der Schnee wurde immer ausufernder, sämtliche Quellen waren noch eingepackt und nicht als Wasserspender verfügbar und das ewige Rauf und Runter wurde immer wieder zur rutschigen Angelegenheit in Weiß.

 

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Andererseits wurden auch die Gesteinsformationen immer abwechslungsreicher, was den Ärger über den Schnee sofort in Begeisterung wandelte.

 

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Um das Eck herum öffnete sich wieder ein herrlicher Ausblick in Fels, Gras, Schnee, und wieder Fels bis hinüber zum Sattel rechts, wo sich unser Weg entlang schlängelte.

 

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Es war mittlerweile Mittag geworden und es ging wieder runter in die Latschen, die durch ihren Windschutz die Hitze unerträglich machten. Während der Wind oben noch kühlte, fing nun der Schweiß wieder an zu laufen aus allen Poren. Dazu ließ auch der 30er Sonnenschutzfaktor langsam nach und plötzlich brannte alles im Genick und an den Beinen. Somit hangelten wir uns bald nurnoch von Schattenfleck zu Schattenfleck mit lauter kleinen Trinkpausen, um den Backofen zu überstehen.

 

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Das Hüttendorf an der Elmgrube brachte dann beim Weg eine Veränderung. Nachdem es dort keine Seilbahn in der Nähe gibt, wurde in mühevoller Arbeit der Weg wohl eseltauglich gebaut. Das letzte Teilstück zur Pühringer Hütte bot somit eine Rarität nach der Felsenspringerei, nämlich einen breiten, teilweise extra gemauertem Weg mit wenigen Stufen.

 

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Der Höhenanstieg war moderat und endete schließlich an einer kleinen Anhöhe, genannt Emils Tränenhügel, wo sich das Tagesziel brilliant zeigte.

 

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Der Tag endete mit wiederum Donnergrollen in der Ferne auf einer wunderschönen Hütte, mit einem wunderbar bodenständigen Wirt und der Erkenntnis, dass in der Steiermark der Zirbenschnaps eher dünn und weich getrunken wird (was wir später von Oberöstereichern erklärkt bekamen, die wiederum das ganze dickflüssig und sehr rau trinken).
Ich bin sicher, hier hin noch einmal zurück zu kommen. Das Rotgeschirr reizt in all seiner Schönheit einfach ungemein, aber nun lag noch zu viel Schnee in den Rinnen. Ebenso geben die Lärchen im Herbst bestimmt ein beispielloses Farbenspiel ab.

 

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Tag 4:
Am Vorabend war noch Gewitter für den frühen Nachmittag gemeldet, wodurch es wieder früh los ging, damit wir uns der Gefahr entziehen konnten. Und bereits nach der ersten Anhöhe hinter der Hütte offenbarte sich uns der treueste Begleiter des Tages: der Schnee. Überrascht starrten wir in die weiße Ferne, es hatte drei Wochen zuvor noch einmal viel Neuschnee gegeben und wir hatten mit weniger gerechnet. Auch hier war die Konsistenz an sich nicht das Problem, die Decke war ebenso fest zusammengeschmolzen, aber alleine die Wegfindung war dadurch langwieriger. Später sollte alles aber noch extremer werden.

 

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400m hinauf zum Rotkogelsattel brachten uns dann zum Einen an einem Relikt von Obelix vorbei und zum Anderen zu einer interessanten Aussicht für die nächsten Stunden: Nur Schnee, alles weiß, keine Markierungen und noch mehr UV-Strahlung dank der Reflexion.

 

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Für diesen Tag hatten wir uns eigentlich den Temlberg als Gipfel auserkoren, um in Mitten der Felswüste den Blick in alle Richtungen genießen zu können. Aber in dessen Flanke lagen noch frische Skispuren von ein paar wilden Skitourengehern. Somit war an eine normale "Bewanderung" noch nicht zu denken und wir fokussierten von Anfang an den Fleischbanksattel, der hinten in der Ferne die nächsten Stunden lang unser Augenmerk inne hatte.

 

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Durch die etwas mehr begangene Route zum Prielschutzhaus gab es am Angang noch teilweise zusammengeschmolzene Spuren im Schnee zu finden. Weder Wintermarkierungen in Form von Stangen noch Steinmanndl waren gegeben, die bunten Fähnchen weiß begraben, es sollte ein langes und zähes Stück Arbeit werden, die Routenwahl zu gestalten. So sprangen wir größtenteils nur von Felsinsel zu Felsinsel und suchten von jeder aufs neue, die am passenste nächstgelegende aus, ganz selten auch mit einer Chance doch noch eine Markierung zu erkennen. Brav spurte ich dem Norbert stets voraus... ;)

 

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Trotz aller Hindernisse und wiedermal der stetigen Hitze, es machte rieisigen Spaß. Wie die Berge sich auftürmten, wie man nach Rechts immer wieder die niemals endende Karstebene genießen durfte, wie man gemeinsam seine eigene Linie in all dieses atemberaubende Stück Landschaft fräßen durfte. Es war einfach unvergesslich schön. Wir litten, wir fluchten, und eigentlich scherzten wir dauernd nur über all den Schnee, was wir eigentlich für Deppen sind und wie wir das alles dann halt nochmal gehen müssen wenn der Schnee weg ist, um das wahre Bild zu bekommen.

 

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Und wenn wir grad mal keine Lust mehr hatten auf all den Schnee, wurde er halt zweckentfremdet um ihn wieder lieb zu gewinnen.

 

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Wenn man bedenkt, dass das Tote Gebirge auch für viele Dolinen und Schlünde bekannt ist, blieb immer wieder ein ungutes Gefühl zwischen all den Felsinseln zurück. Der Schnee war zum Glück fest genug, man sank zwar durch die voranschreitende Hitze immer ein paar Zentimeter weiter ein, aber das spielte keine Rolle. Und kurz vor dem Fleischbanksattel stellte sich dann noch einmal die Frage links dem eigentlichen Weg entlang durch ein ordentliches Steilstück oder mit einigen Höhenmetern mehr rechts den vermeintlich sicheren Umweg zu nehmen, wo in der Karte sich die Symbole für die tiefen Löcher häuften. So richtig thematisierten wir die Gefahr währenddessen nicht, beiden war sie mehr als bewusst, aber wir wussten nun schon über Stunden hinweg was der Schnee mitmacht. Wir folgten somit alten Skitourenspuren nach unten und erreichten dadurch nur mit noch größerer Erleichterung endlich den Sattel.

 

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Wir standen auf dem höchsten Punkt unserer Tour, es sollte nur noch bergab gehen. Gipfellos wieder runter. 6 Stunden durch den Schnee stapfen ohne dafür einen Gipfel zu bekommen? Dazu später mehr...
Der Abstieg von einer Stunde brachte uns dann an die schwierigste Stelle der ganzen Tour, obwohl die Welser Hütte schon zu sehen war. Es war bereits zu wenig Schnee, um die Rinne einfach so hinunter zu kommen aber zum Glück auch noch genug, um nicht allzu große und brüchige Randkluften zu bekommen. Es ging wieder zwischen den Schneefeldern und Felsinsel zu Felsinsel, diesmal aber mit gehöriger Neigung, wo ein Falscher Schritt wesentlich größere Folgen hatte als oben.

 

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Und all das gipfelte in einem eisigen Band mit einem alten Seil, wo ich froh war diesmal den Norbi vor lassen zu können. Da hat er sich mit der Wegpräparierung fein revanchiert, wobei ich immernoch darüber fluche, dass er so viel kleinere Schuhe hat, dass ich eigentlich eh alles nacharbeiten muss. Aber wenn das Fundament schon liegt ist das doch wirklich um einiges angenehmer. Zusätzlich setzte es mich da ordentlich auf den Hintern als mal der Schnee wegbrach und ich bin bis heute noch entzückt, dass ich sitzen blieb statt die Schneeachterbahn nach unten zu nehmen mit ungewissen Ausgang und spitzen Felsen vorraus. Hätte auch schief gehen können.

 

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Weiter unten wurden die steilen Schneefelder immer vereister und forderten noch einmal alle Konzentration, bis wir endlich vorbei am Tassilo-Klettersteig in entspannte Bedingungen kamen. Gegen 13 Uhr erreichten wir nach 7 Stunden die Hütte.

 

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Der Weg ist von der Prühringer Hütte mit 5 1/2 Stunden angegeben, von der Welser Hütte aus in 4 Stunden. Ersteres dürfte ohne Schnee durchaus gut machbar sein, letzteres hinterließ bei uns nur Sitrnrunzeln. Die Hüttenwirtin der Welser Hütte hatte es auch schon in 3 Stunden geschafft, wobei als trainierte Bergläuferin ;). Und die Zeitangabe der Sektion macht auch so eine Rennsemmel, woher sich die 4 Stunden ergaben. Für alle anderen Bergsteiger raten wir, wieder etwas länger zu planen.

 

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Unsere Einsamkeit setzte sich auch an diesem Tag fort. Trafen wir am Tag zuvor noch 4 Wanderer so und ein paar mehr auf der Prühringer Hütte, waren wir den ganzen Tag alleine gewesen. Und auch auf der Welser Hütte gab es nur uns als Gäste. Die Wirtsläute waren froh bei etwas Sonne verschnaufen zu können und weil wir Ihnen den sonst frei zu verplanenden Tag für all die Arbeit im Frühjahr an so einem Stützpunkt nicht aufwendiger machen wollten, einigten wir uns auf eine gemeinsame Essenszeit. Im Gegenzug hatten wir dafür ein wunderbares Abendessen und hatten das Glück viele Einblicke in die Hintergründe der Arbeit dort oben zu bekommen, die über den normalen Plausch mit Hüttenwirten hinaus gingen, bekamen auch neue Ziele gesteckt durch die Ortskundigkeit und lernten eben auch, dass der Oberösterreicher den Zirbenschnaps ganz anders mag, was beim anschließenden Test sehr gefiel.
Auch wir konnten uns zum Glück mit Tourenvorschlägen aus unserer Gegend revanchieren und am Ende wurde der letzte Tourenabend auch von der Sonne besonders hervorgehoben.

 

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Tag 5:
Am letzten Tag ließen wir die Wirtsläute ausschlafen, weil wir eh erst frühstücken können, nachdem wir bereits einige Wegzeit hinter uns haben. So gings um kurz nach 6 die letzte

Steile Rinne hinein in die Latschen.

 

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Der Norbert berichtete es mir schon, Gäms' in dieser Gegend sind bei weitem nicht so scheu wie bei uns. Während der ganzen Tour kamen wir immer wieder nah an einige heran und abschließend blieb es auch dabei.

 

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Bis wir mit unseren Pausen für Frühstück und Fotos unten waren holte uns auch Hüttenwirt Leo ein, der die 800m in 50min abstieg für seine Einkaufstour. Er bot uns noch einen Shuttleservice an, womit die letzten Kilometer zum Auto dann endeten, wie die ganze Tour geprägt war, mit offener Herzlichkeit der Menschen in dieser Gegend vor Ort.

 

4000 Höhenmeter, 5 Tage, und kein einziger Gipfel, nur den Fleischbanksattel als höchsten Punkt mit 2128m. Und auch jetzt ist uns das schlicht egal (statt schlicht kann hier gern ein anderes, ähnliches Wort stehen ;)). Ich bin noch nie in meinem Lebend so lange so abwechslungsreich in den Bergen unterwegs gewesen. Fels, Wiese, Wald, Schnnee, Seen, der gleiche Gipfel mal steil und schroff, dann wieder flach und grün, von einem auf den anderen Moment. Dazu die wenigen Menschen, die alle so herzlich waren und einen brav von Anfang an als Bayer erkannten statt als Deutschen :D. Ok, wir haben durch den fehlenden Gipfel bestimmt was in Sachen Aussicht verpasst und auch durch den Schnee die eigentliche Ursprünglichkeit nicht ganz mitbekommen. Der Weg im ganzen war aber so einzigartig, so unglaublich vielfältig, und im Durchquerungsgedanken an sich ja das eigentliche Ziel, was mehr als übertroffen wurde.
Das schlimme kommt erst noch: Wir kamen ja eigentlich nur, um eine Baustelle in unserem Kopf zu schließen, wieder ein Gebirge abzuhaken bei einer schönen Tour. Aber nun stehen wir da mit so vielen Ideen und offenen Fragen. So viele Wege und Gipfel, die uns im Nachhinein noch einmal in das Tote Gebirge bringen werden wie der Woising, der stundenlang auf einem herab lacht, weil man beim umrunden nicht von ihm los kommt und er einem durch seine fehlende Struktur in den Flanken im Stich lässt. Wir haben uns so lange über ihn aufgeregt, dass er dafür einfach auch mal dafür bezahlen wird wenn wir auf ihm stehen.

Kommen wir abschließend zu den Kuriosiäten:
- Norberts Socken: Kein Problem, 1A geruchsneutral, auch über die Tage hinweg
- Norberts Beine: Streifenmuster durch die Sonne in mindestens 4 Rottönen. Bilder auf Anfrage gerne verfügbar ;)
- Norberts Grummelkommentar, verlgeichbar zum Brandhorn von der Hochkönigtour: "So wie es hier aussieht hätte ich auch auf dem Heimgarten gehen können". Er musste dafür aber schon unglaublich leiden durch mich, darauf könnt ihr euch verlassen.
- Mannerschnitten sind und bleiben DIE Schokoladenalternative in extremer Sommerhitze
- Wer eine weiche Zirbe will, geht in die Steiermark, wer eine intensive, holzige will nach Oberösterreich
- Der Woising ist und bleibt ein Arschlochberg ;)
- Die Meinungen über UV- und Biokläranlagen gehen weit auseinander bei den Hüttenwirten
- Auch die nicht scheuen Gämse rennen weg, sobald man Ihnen mit "Ui, Gulasch" begegnet.
- verschlafene Hüttenwirte rennen in Unterhosen durch die Hütte, anschließend im Handtuch
- Wer abspült, dem ist Geld egal
- Mehr wilde Duschen braucht die Bergwelt
- Wir haben den bayrischen Triathlon für uns erfunden, das Bild dazu wird aber ebenso nur auf Anfrage vorgelegt ;)

 

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Das Thema mit dem Gipfel wurde nachträglich übrigens noch beseitigt und auch die weiteren Tage unseres 12-Tage Urlaubs boten noch einige schöne Dinge und nochmals 4000 Höhenmeter, aber sonst bleibt ja nicht mehr für die Rätselsaison über... ;)