Hochschwabüberschreitung

 

 

Als Bayer, v.a. als Münchner kommt ja eher selten östlicher als der Dachstein, aber nachdem v.a. das Tote Gebirge einen bleibenden Eindruck hinterließ, war der Hochschwab als nächste, große Tour nur eine Frage der Zeit.

Neben der beachtlichen Weite von West nach Ost bietet das Gebirge Dank vieler Übernachtungsstandorten und Abstiegsmöglichkeiten alle Freiheiten. Da das Wetter aber erstmal nicht mitspielte, wurde es sich auf dem Campingplatz in Tragöß gemütlich gemacht umd die Hütten abzutelefonieren und den Wetterbericht zu studieren. Bereits das Gebiet um den grünen See bietet den ein oder anderen schönen Spaziergang, aber nach drei Tagen Regen ging es dann endlich los. Durch ein komplett reserviertes Schiestlhaus wurde alles umgedreht um am Ende kam die Route Präbichl - Hochturm - Leobner Hütte - Pfaffinglam - Sonnschienhütte - Hochschwab - Schiestlhaus - Seebergsattel heraus (fett die Übernachtungen).

 

 

Tag 1:

Nachdem ein Auto am Seebergsattel abgestellt wurde, ging es nach Präbichl, wo man sich langsam aus den Bäumen heraus nach oben arbeitet.

 

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Mit dem späteren Ziel der Leobner Hütte ging es durch den schweren Rucksack gemütlich Richtung Lamingsattel.

 

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Nach dem Lamingsattel herrschte dann endlich ein abkühlendes Lüftchen, denn Bäume oder Latschen suchte man dann als Schattenspender vergebens. Die Wiesen gehen entlang des Weges langsam mit einigen Erosionswunden zum Fels über und nach leicht ausgesetztem Pfad wurde der Hochturm erreicht, der den Blick auf das Programm der nächsten Tage offen legte.

 

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Zurück in Richtung Lamingsattel ging es dann der dauerhaft im Blick liegendem Ziel entgegen. Die Leobner Hütte ist relativ einfach gehalten und war einst eine Hütte für Bergarbeiter. Alles nicht so groß, auch nit durchgehend bewirtschaftet, aber doch mit guter Aussicht und gutem Essen.

 

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Tag 2:

Nachdem eine sehr lange Etappte anstand ging es früh auf den Weg.

 

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Über den Hirscheggsattel entlang der Griesmauer zur Frauenmauer, die am Wochenende auch geführt von der einen zur anderen Seite durch die Höhle durchquert werden kann.

 

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Und nachdem es bis hierhin eher eng und immer an irgendwelchen Berghängen entlang ging, folgte man nach Umrundung der Frauenmauer eine Steinstufe nach der nächsten bergauf, bis man auf Höhe des Bärenkogels endlich das erste Mal die Hochebene betrat.

 

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Der Weg war nun einfach, weich gebettet und an den vielen, weidenden Kühen wusste man, dass man nun im Gebiet der Almen angekommen war. Ein bisschen hatte man noch mit dem ein oder anderen auf und ab zu kämpfen, aber dann öffnete sich die Hochebene in ihrer ganzen Pracht. Das in vielen Karten verzeichnete "Am Kreuz" bietet zum Panorama auch noch die perfekte Bank, um es richtig genießen zu können.

 

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Dem Brandstein entgegen erreicht man dann die Pfaffingalm, deren Wirt gerne Auskunft über die Gegend und seine tägliche Arbeit mit den vielen Kühen gibt, mit welchem Aufwand das Trinkwasser für diese gesammelt und über die Almwiesen verteilt wird. Die Pfaffingalm bietet als Alpenvereinshütte auch einige Schlafplätze und einem kleinen Nebenhüttchen, zwischen Hühnern und guter Verpflegung, nachdem es mittlerweile schon Mittag war.

 

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Ab diesem Zeitpunkt wurde es zum gemütlichen Genusswandern, da der Weg grenzenlos weit erschien und links sowie rechts von Gipfeln wie Brandstein, Ebenstein oder Kulmstein umrahmt war. Aber trotzdem wurde es etwas mulmig, da entgegen der Vorhersage es doch irgendwie grau und drückend wurde auf dem Teilstück zur Androthalm.

 

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So spurtete man in schnellen Schritt an der vollbesetzten Terasse vorbei, wo man gut gelaunt noch belächelt wurde, warum man denn die Chance auf diese Rast links liegen ließe. es würde schon halten mit dem Wetter. Der Weg wurde anschließend bewaldeter, dazu immer wieder größere Felsrinnen zum durchqueren. Zwei Drittel zwischen Androthalm und Sonnschienhütte war das somit ganz angenehm, da nun die ersten Tropfen fielen und man leicht einen Unterstand fand, wo man die wenigen Minuten ausharren könne. Aber nach wenigen Minuten wurde es nicht weniger mit dem Niederschlag, im Gegenteil, alles war plötzlich voller Hagelkörner, der Baum undicht, der kleien Triittpfad ein reißender Bach und mit Blitz und Donner kam eine gewisse Motivation, sofort in die Regenkleidung umzusteigen und die Beine in die Hand zu nehmen.

 

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Der Wald endet abrupt und man steht auf der Versorgungsstraße der Sonnschienalm, die man an den Tagen zuvor noch von Tragöß aus gesehen hatte. Nach der letzten Kurve der Straße steht man plötzlich zwischen einigen doch sehr großen und anschaulich ausgebauten Häusern, sodass man noch garnicht sagen kann, welche denn eigentlich das ersehnte Ziel ist. Hütte ist an sich auch nicht der richtige Ausdruck, denn der eigentliche Charakter wäre Berggasthof. Das kam aber auch gelegen, da alles komplett nass war und man damit wusste, dass ausreichend geheizt sein wird, damit alles wieder trocken wird.

 

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Tag 3:

Der Regen hatte am nächsten Morgen noch seine Spuren hinterlassen, sodass man zeitweise noch in einigen Nebelfeldern gefangen war. Nachdem der Weg in Richtung Häuslalm aber auch nicht allzu spannend war, störte dies auch nicht. Einzig den Sackwiesensee hätte man fast übersehen, endete dann aber auch in einem Pfad aus Matsch beim Abstecher zu ihm.

 

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Kurz darauf war die Häuslalm erreicht, die langsam aus dem Schlaf erwachte und der Hüttenwirt dabei war das Frühstück für die Gäste zu bereiten. Die Sonne kam langsam heraus und drückte den Nebel in Tal herunter.

 

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Anschließend ging es durch Felsrinnen voller Vegetation nun wieder bergauf. Die Latschen lichteten sich, mal hier und da ein Murmeltier und hinauf auf begraste Bergrücken, die weit verteilt und wenig steil langsam immer höher wurden.

 

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Der Wind pfiff unentweg und ziemlich ungemütlich, sodass die Aussicht über den Wolken das erwärmendere Erlebnis war, als die dadurch eigentlich scheinende Sonne, von der man aber nicht viel merkte. Aber nicht nur wir genossen den Blick in Richtung Süden.

 

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Stetig schlängelte man sich von einem Bergrücken zum nächsthöheren, die durch Schächte und Felsbrüche getrennt waren und langsam auch das letzte bisschen Grad verloren. Ein sich wiederholendes auf und ab ohne einem der Gipfel an sich nahe zu kommen. Der Weg zeigte sich oft weit ausgetreten und erodiert, ab und zu aber auch mit der ein oderen anderen Felsstufe. Das Ziel, der Hochschwab, blieb dabei immer verdeckt, genauso wie der weitere Wegverlauf, sodass man immer im Unklaren darüber war, wie oft man noch Höhenmeter umsonst machen wird. Bis man dann endlich hinterm Zagelkogel um die Kurve kam.

 

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Das kleine, gelb leuchtende Hüttchen löste dann sofort auf, dass der höchste Punkt der Tour nicht mehr weit war. Das Fleischer Biwak ist aber leider nicht mehr, als eine normale Notunterkunft, die aber nach langem Marsch über dem Wetter ausgelieferten Weg oder steilem Aufstieg über das G'hackte sicherlich schon vielen Schutz vor dem ein oder anderen Wetterumschwung bot, denn auch wenn es zum Gipfel nur noch eine halbe Stunde ist, so muss man zum Schiestlhaus noch einmal um den ganzen Berg herum. Pünktlich zum Mittagessen war es dann geschafft.

 

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Der Gipfel steht zwra relativ flach da vom Gefühl her, nach Süden durchzieht aber eine große Rinne die gesamte Flanke von Ost nach West, in die man von oben eine perfekte Sicht hat.

 

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Und auch das Schiestlhaus zeigt sich endlich zum ersten Mal. Der Abstieg bereitet einen dann auch nach all den flachen Bergrücken auf den letzten Tag vor.

 

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Das Schiestlhaus war ein komplett anderes Erlebnis zur Sonnschienhütte zuvor. Es ist ähnlich einem Passivhaus gebaut und an der Südseite durchzieht sich an der Glasfront der Gästeraum über fast die gesamte Länge, sodass man immer etwas Wärme und Aussicht genießen kann. Das Personal ist ein bunter Mix aus jungen Leuten die ihre Arbeit zu genießen scheinen und der Wirt hat mit seiner stoischen Ruhe alles im Griff. Die Zimmer sind alle komplett mit Holz stufenweise eingerichtet, sodass man zwar dicht bepackt die Bettgeschosse platzsparend untergebracht hat, man aber quasi immer nur das Gefühl hat neben ein bis zwei Personen zu liegen. Dass dies aber auch Stufen innerhalb der Zimmer erfordert, bringt beim abendlichen Eintrudeln der Zimmergenossen einiges an Schmerzen, aber auch Lachern mit sich.

Das Wetter zog sich leider aber langsam am Abend zu, sodass ein aussichtsreicher Sonnenuntergang verwehrt blieb. Das sollte leider bis zum nächsten Morgen noch schlimmer werden.

 

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Tag 4:

War es eigentlich geplant über die Aflenzer Staritzen die Aussicht zu genießen und sich von Gipfel zu Gipfel zu hangeln, pfiff morgens der Sturm ums Haus und der Regen peitschte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ins Gesicht. Statt toller Aussicht kam es nur zum oft erlebten Hangeln von Markierung zu Markierung.

 

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Bergab über den Graf-Meran-Steig kam man dann irgendwann knapp unter die Wolken und der Wind ließ nach. Talsauswärts ging es vorbei an der Voisthaler Hütte, die wunderschön auf einer Felsstufe thront.

 

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Durch die Gasse hinab nahm die Vegetation nun erwartungsgemäß immer weiter zu und man durchschritt eine durch die Felswände imposant eingezäunte Talebene, die erst ab dem Franzosenkreuz wieder an Höhe verlieren sollte.

 

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Anschließend zieht es sich eng durch Wälder und Schutt bergab, bis man im Seetal den langen Hatsch zurück zur Bundesstraße vor sich hat. Der Blick zurück zeigt leider nichts ansatzweise, was der Weg für einen bereit hält und was man verpasst, wenn man ihn nicht geht.

 

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Bleibt nicht zu vergessen, dass das Auto ja am Seebergsattel stand, aber man durch das schlechte Wetter ja nun 300m tiefer aus dem Gebirge kam. Und der Bus fuhr an dem Tag irgendwie seltener als sonst und naja, dann halt wieder eine gemütliche Stunde bergauf durch matschigen Wald, darauf kam es dann ja auch nicht mehr an... ;)