Ursprünglich als Forumspost veröffentlicht unter Hochkönigüberschreitung die Zweite (12.8. - 16.8.)

 

 

Hochkönigsüberschreitung

 

 

Servus beinand!

 

Wieder ich, wieder Hochkönig? Richtig! Aber es ging einfach nicht anders. Einerseits, weil es so viele andere Zustiege gibt, u.a. mit einem weiteren Biwakhüttchen. Andererseits, weil der Norbi es einfach nicht anders verdient hatte.
Auf einem der häufigen kleinen Touren von Norbi und mir, auf denen man alles über die wilden Wege im Voralpenland und im Karwendel von ihm erfahren kann, fragte ich ihn, ob er denn eigentlich auch andere Gebirge überhaupt kennt, wenn er dauernd in seinen eigenen rumspringt. Ob er denn überhaupt schon einmal im Steinernen Meer war? Ja, zweimal auf dem Kärlinger Haus. Aber Steinernes Meer und Kärlinger Haus? Zählt das überhaupt? Denn auch, wenn es quasi darin liegt, sieht man eigentlich nix von der Steinwüste wenn man gemütlich auf der Terrasse am Funtensee sein Bierchen in der Hand hat.

 

So entstand der Plan, mit dem Norbi ins Steinerne Meer zu gehen. Und die Route war auch schnell gefunden. Zum einen reizte mich am Hochkönig noch der Aufstieg über die Teufelslöcher. Zum anderen ist die Hauptachse Riemannhaus - Kärlinger Haus - Königsee eh immer ausgebucht im August.
Geplant war: Hinterthal - Bertgenhütte - Teufelslöcher - Matrashaus - Torscharte - Wildalmkirchlbiwak - Wasseralm - Salet am Königssee.

 

1. Tag:
Wir trafen uns am Sonntag um 8 Uhr in München und luden alles benötigte in ein Auto. Über die A8 ging es bei bestem Wetter Richtung Berchtesgaden, wo wir unser Auto am Bahnhof abstellten. Die Rucksäcke waren beide bei ca. 18kg mit genug Essen für die nächsten Tage, aber wie sich im weiteren Verlauf zeigte zu wenig Socken beim Norbi. Naja, man kann nicht alles haben...
Mit dem Zug gings zurück nach Bad Reichenhall, wo wir uns spontan noch eine Pizza genehmigten, da plötzlich doch ein ziemlich großes Loch in unseren Bäuchen entstand. Mit dem Bus weiter über Lofer nach Saalfelden, von dort über Maria Alm nach Hinterthal. Bereits von der Ortsmitte erkannte man in der Ferne die Teufellöcher. Über einen Forstweg schlängelt man sich den Berg hinauf, bis irgendwann über eine Wiese der richtige Anstieg folgt.


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Nach drei Stunden Aufstieg erreichten wir gegen 18 Uhr unser erstes Quartier, die Bertgenhütte. Oder sollte man eher sagen Bertgenhotel? Denn das kleine Häuschen für 12 Personen ist der reine Luxus.


Bertgenhütte

Bertgenhütte

 

Die Bertgenhütte bietet 12 Schlafplätze, ausreichend Decken, ein Klo, Panoramabalkon, genug Schmelzwasserbäche in der Gegend, Tische und Hocker und etwas vom üblichen nützlichen Kleinkram. Einfach wunderschön. V.a. die Westausrichtung des Tales mit den Teufelslöchern weit oben sorgte für reinste Gemütlichkeit für einen Bergsteiger.

 

Bertgenhütte

Teufelslöcher

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2. Tag:
Die Teufelslöcher weit oben, ohne Ahnung wo da nun eigentlich der Weg hoch geht in der steilen Wand, treiben einem morgens schnell die Kälte aus den Knochen, nachdem man in diesem kleinen Hüttchen ja nicht heizen kann. Und nach einer dreiviertel Stunde Aufstieg steht man am Ende des Tales und beginnt das Rätseln über den Routenverlauf.

 

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Erst links eine Kalkrinne rauf, dann rechts ein Band rüber, dann wieder eine Rinne, usw. Es folgten zwei Stunden wunderschönes kraxeln. Bester Fels, überall Grifffe und Tritte, super Markierungen und immer das Ziel vor Augen.

 

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Teufelslöcher

 

Der Weg ist stellenweise immer wieder mit Sicherungen und Tritten entschärft. Er ist im Aufstieg relativ leicht zu gehen, immer breit genug und ersichtlich. Steinschlag ist bis auf eine Stelle kein Problem, da entweder kein Schotter lose oben auf liegt oder in den Rinnen man entsprechend problemlos Abstand halten kann. Nur an einer Stelle, kurz vor den Teufelslöchern kreuzt man ein Wegstück in einer Rinne mehrmals. Da hatten wir ziemlich Glück, da wir kurz davor pausierten und während dessen ein großer Brocken hinunter kam, den ein absteigender Herr aus dem Osten Europas lostrat. Er fragte uns dann, ob es jemanden getroffen hätte und man ja immer einen Helm tragen müsse, was aber bei diesem großen Geschoss niemandem auch nur ansatzweise geholfen hätte zu überleben.
Diese Stelle sind wir dann im Schweinsgalopp hindurchgesprintet und standen erstmal im kompletten Nebel auf der nächsten Anhöhe.

 

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Nach einiger Wartezeit ergab sich dann dies:

 

Teufelslöcher

 

Der Nebel, der pfeifende Wind, in diesem Moment total egal. Schön wars. Über den kleinen Klettersteig ging es dann unter die Löcher durch zum Ausstieg.
Jeder Bergsteiger der da mal nicht hoch geht, verpasst eigentlich etwas. Einfach ein extrem wunderschöner Aufstieg mit allem was dazu gehört und dabei immer sicher und angenehm machbar, solange keine Nässe alles rutschig macht. Ob ich den Steig wie viele bergab gehen würde, weiß ich nicht, da so einige Stellen sicherlich schwieriger sind und man bergab halt doch immer leichter ins rutschen kommt. Aber bergauf sicherlich ein besonderes Schmankerl.

 

Teufelslöcher

 

Nach einer weiteren Felsstufe eröffnet sich dann die Übergossene Alm. Oder das, was von Ihr übrig ist.

 

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Über den Grat ging es weiter zum Matrashaus mit den stetigen Einhüllungen im Nebel. So gingen wir auch ca. 20m am Lammkopf vorbei, ohne ihn zu erkennen und besteigen. Ja mei. Nachdem es der einzige Tag blieb mit ansatzweise getrübtem Wetter, kümmerte es uns nicht.

 

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Ab und zu gaben uns die Wolken die Sicht aufs Matrashaus frei und je näher wir ihm kamen, desto seltener wurden die Nebelwolken.

 

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Schließlich erreichten wir nach 6,5 Stunden das Ziel. Angegeben ist der Weg mit 4,5h Stunden, was einerseits mittlerweile dadurch verlängert wird, dass der Weg von den Teufelslöchern nun nicht mehr über den Gletscher, sondern den Gipfelgrat führt was einige Höhenmeter mehr sind. Und außerdem hatten wir keine Eile und nutzten die Zeit ausgiebig zum Fotografieren und rumkraxeln an unseren Rastplätzen.

 

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Zum Matrashaus muss ich diesmal ja nicht mehr sagen. Aber das Farbenspiel hatte es auch diesmal in sich. Sowohl am Abend...

 

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3. Tag:
Als auch am Morgen...

 

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Nachdem das Wetter eine perfekte Sicht ergab, wählten wir diesmal einen wilden Weg über die Übergossene Alm. Das kostete uns zwar Zeit, Nerven, Schmerzen und gegenseitige Zugeständnisse wie blöd wir mit unserer Wegwahleigentlich sind, aber Spaß machte es trotzdem großen.

 

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Zum Ende hin füllten wir in der letzten Pfütze unsere Wasserbeutel mit einem Wasserfilter wieder auf. 7,5 Liter für zwei Tage. Die Rucksäcke waren wieder schwer...

Den nachfoglenden Herzogsteig zur Torscharte beschrieb ich vor drei Jahren im Aufstieg ja als einfach und problemlos machbar. Im Aufstieg ja, aber im Abstieg...
Schmale Wege, immer mit Schotter gefüllt um am Rande der Absturzkante. An sich kein großes Problem, aber mit schwerem Rucksack doch eine gewisse nervliche Belastung und nicht bei weitem so einfach wie nach oben. Und dies möchte ich hiermit richtig stellen: Herzogsteig im Aufstieg bei guter Trittsicherheit und Klettersteigkenntnis keinerlei Schwierigkeit, im Abstieg nervlich doch etwas schwerer und dank dem Schotter um einiges mehr Geeiere. Aber trotzdem an sich problemlos machbar, solange man nicht vom Blick nach unten in Panik verfällt.

 

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Macht man auf dem Weg vom Hockkönig zum Wildlamkirchlbiwak zwar weniger Höhenmeter, so habe ich es an diesem Tag bereut, den Weg in diese Richtung zu gehen. Zum einen fehlt einem das Ziel in der Ferne, wo das Matrashaus am Ende doch sehr motiviert. Zum anderen kommen die ganzen Kraxelstellen wo man etwas konzentrierter sein muss zum Ende hin, wo man nach vielen Höhenmetern und der langen Zeit in praller Hitze doch schon nicht mehr so ganz konzentriert ist. Wenn ich den Weg nochmal gehen sollte, dann sicherlich wieder in die andere Richtung.

 

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Am Brandhorn angekommen war der Norbi dann vom Wege gezeichnet: Er grummelte nurnoch und war sehr ungesprächig. Aber wer mag es ihm verdenken, wo unsere Muskeln sich langsam bemerkbar machten. Aber das Tagesziel war nun sichtbar und mit gegenseitiger Freude aufs Abendessen ging es dann doch sehr schnell weiter zum wunderschönen Biwak am Wildalmkirchl mit der atemberaubenden Sicht ins Steinerne Meer...

 

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Wildalmkirchl Biwak

Wildalmkirchl Biwak

 

Am nächsten Tag sollten wir erfahren, dass im Riemannhaus die Leute schon in der Stube gestapelt wurden. Wir waren die Nacht alleine. Ok, dank fehlender Heizung war es doch etwas frisch und etwas mehr Wasser wäre natürlich schön gewesen. Aber diese Ruhe, das mindestens genauso gute Essen vom Norbert für diesen Abend und die Möglichkeit am nächsten Morgen bis um 9 Uhr auszuschlafen bei bester Aussicht. Da bleibe ich lieber dort, als in eine volle Hütte zu gehen.

 

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4. Tag:
Mit einem wehmütigem Blick zurück ging es am vorletzten Tag somit weiter in Richtung Wasseralm. Dazu gabs dann eine schöne Abkürzung durch einen markierten Weg, der am Rücken des Mitterhörnl nach Norden einen den Umweg über die Hochbrunnsulzen erspart, der in keiner Karte eingezeichnet ist und Norbis erste echte Begegnung mit dem Steinernen Meer.

 

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Auf dem Weg ist in den Karten eine Quelle östlich der Salzstattgruben eingezeichnet, welche sich als winziger Rinnsal heraus stellte. Und auch wenn dieser so klein war und das Wasser relativ kalkig schmeckte: Trotz all der Hitze und tagelanger Trockenheit in dieser Gegend noch Wasser zu führen war schon gigantisch, verstärkt durch die Tatsache, dass wir am Ende wohl nicht so ausgiebig hätten trinken können. Sonst wäre es mit den 7,5l doch ganz schön knapp geworden und wir hätten durstig alles rationieren müssen.

 

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Folgt man dem Weg, kommt man irgendwann zu einer interessanten Markierung:


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Ein alter Flugzeugtank.

Mit einem letzten Blick zurück verschwand dann durch den Verlust der Höhe das wunderschöne Panorama und es ging hinab zum Schäferhüttchen in der Wildalm.

 

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Ab jetzt veränderte sich die Markierung des Weges. Von wunderschön leuchtenden, gepflegten und nah aufeinander folgenden österreichischen Fähnchen hin zu kleinen roten Punkten mit weißer Umrandung irgendwo weiter weg und teilweise schon verblasst. Wir gehen davon aus, dass, nachdem wir bereits auf deutschen Boden waren, die Nationalparkverwaltung sich um diesen Weg kümmert und nicht mehr der Österreiche Touristenklub bzw. Alpenverein.
Und wenn dem so ist, dann ist das leider kein gutes Aushängeschild. Es folgte nun ein längeres Balancieren, Springen und Suchen über einen Weg, der nicht sonderlich gepflegt ist und durch die metertiefen Spülrinnen ununterbrochen vollste Konzentration fordert.

 

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Bei Regen oder Nebel rate ich jedem von diesem Weg ab. Man muss jede Markierung und jeden Tritt einzeln suchen, letzterer meist nur auf einem 5cm breiten Felsvorsprung wo ein Abrutschen mit dem Fuß in eine der Spülrinnen außen herum wohl schmerzhaft enden wird. Bei guten Wetter gut machbar wenn auch nervig, bei schlechtem bestimmt eher eine Qual. Landschaftlich aber sehr schön, da alles nun immer grüner wurde, durch den Abstieg auch die Temperatur stieg und der Weg wirklich sehr verlassen scheint.

 

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Am Ende kommt man in der kleinen Waldlichtung heraus, in die die Wasseralm gebettet ist. Durch die Trockenheit war leider der kleine Bach und Teich außen herum ausgetrocknet, aber auch so ein total idyllischer Ort. Die Hütte selbst ist spartanisch, eng und voller Gäste, die eher selten in die Berge gehen. Aber trotzdem passte irgendwie einfach alles total gut zusammen, da die Wasseralm einfach ein Stückchen mehr Flexibilität von seinen Gästen abverlangt, als eine normale Hütte. Und nach 4 Tagen einen frischen Gemüseeintopf vorgesetzt zu bekommen (wir zählten mindestens 12 verschiedene Gemüsesorten) war unglaublich lecker.

 

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5. Tag:
Am letzten Morgen ging es um Punkt 6 raus aus den Federn und kurz darauf zum letzten Abstieg. Statt dem Röthsteig wählten wir die angenehmere Route über den Landtalsteig, wo unsere Knie den zeitlichen Mehraufwand von einer halben Stunde gerne im Kauf nahmen. belohnt wurden wir auch mit einem schönen Blick auf den Watzmann.

 

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Am kalten Obersee gab es dann, pünktlich vor dem Kontakt mit der normalen Zivilisation, endlich wieder eine Möglichkeit sich nach all den Tagen zu waschen. Und endlich mal frische Socken für den Norbi. Junge, kauf dir Wollsocken und nicht diesen Plastikschmarrn von Falke! (Norberts Sockengestank auf einer Skala von 1 - 10: 13)

 

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Mit dem Schiff zurück und dem Bus zum Auto fand diese Tour dann ihr Ende. Und kaum saßen wir in diesem, fing es das Tröpfeln an. Nach 5 Tagen zum ersten Mal.
Schön wars. Geil wars. Alles passte. Das Wetter, das Essen, das Wasser, der Norbi, wenn auch die Sache mit seinen Socken störte. Auf den Biwaks hatten wir immer unsere Ruhe, es auf den Hütten trotzdem gemütlich. Und ich kann weiterhin behaupten, dass ich immer bestes Wetter habe, wenn ich auf den Hochkönig gehe.

Norbert, was machen wir als nächstes?

 

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