Ursprünglich als Forumspost veröffentlicht unter Hochkönig-Überschreitung über das Steinerne Meer (8.9.09)

 

 

Hochkönigsüberschreitung

 

 

Hallo zusammen!

 

Hier mal ein kleiner Bericht meiner letzten größeren Tour dieses Jahres. Den Hochkönig werden die meisten hier dank des Königsjodlers kennen, habe aber einen etwas weiteren Weg gewählt. Letztes Jahr war diese Tour bereits geplant, aber nach der Strecke von Ingolstädter zum Riemannhaus mussten wegen schlechten Wetters die Segel gestrichen werden. Zwar werden hier viele Fotos für etwaige Bergrätsel im Winter verbraten, aber naja ;).

 

Nachdem letztes Jahr die Etappe Riemannhaus - Wildalmkirchlbiwak ausgefallen ist, musste ich bei letzterem auch wieder einsteigen. Also mit dem Zug von München nach Saalfelden und mit dem Bus weiter nach Maria Alm, wo ich gegen 10:30 noch ein letztes Mal Wasser kaufte. 5L im Rucksack, einen in der Hand und die Aussichten, dass genug Neuschnee zu finden sein müsste um genug Wasser zu haben und die Übergossene Alm ohne Steigeisen überqueren zu können. Das Gewicht für die Steigeisen wurde natürlich auch in Wasser investiert, insgesamt hatte ich ca. 12kg auf dem Rücken.

Für den ersten Tag war Maria Alm - Lechneralm - Braggstein - Wasserfallscharte - Wildalmkirchl Biwak geplant. Bis zur Wasserfallscharte sind es 1621Hm, um 16 Uhr wollte ich hier spätestens sein um im Notfall umkehren zu können, wenn wirklich kein Tropfen flüssiges aus dem Steinernen Meer zu holen ist.

Der Aufstieg zur Lechneralm ist ein Forstweg aus Schotter, Möglichkeiten zum Direktweg durch den Wald sind auch gegeben, dann jedoch sehr steil. Auf der Lechneralm sind die Preise niedrig, 1L Schiwasser wurde erstanden und genau um 12Uhr brach ich Richtung Braggstein auf. Durch Wälder und Wiesen gings entspannt zur Baumgrenze.

 

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Am Braggstein gab es dann die erste Essenspause, mit Aussicht zum Selbhorn und dem baldigen Ziel mit der Bertgenhütte davor. Richtung Süden waren durch das Wetter auch die Tauern gut erkennbar.

 

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Mit vollen Akkus stand gegen 14 Uhr die letzte Etappe mit einer ordentlichen Anzahl an Höhenmetern bevor. Und zugleich ein perfekt markierter Weg. Zu diesem Punkt komme ich später noch genauer, aber jeder, der das Steinerne Meer schonmal im Nebel erlebt hat, weiß wie trostlos die Wegfindung sein kann. Sobald keine eindeutige "Trittrinne" erkennbar war, gab es innerhalb der nächsten zwei Meter wieder ein gepinseltes Fähnchen in vollster Leuchtkraft. Wirklich traumhaft für Wanderer.
Ein Schild warnt vor dem letzten Anstieg vor den alpinen Anforderungen, was durch eine leichte Kletterei zur Wasserfallscharte auch zwingend notwendig ist. Man bewegt sich eher mit allen vieren durch das Gelände, was v.a. negativ auf das Tempo drückt.

 

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Die Uhr scheuchte immer weiter und mit einer Punktlandung um 16 Uhr erreichte man die ersten Schneefelder mit Neuschnee oben drauf. Also ging es erstmal an befüllen der Wasserbeutel. Was man hat, das hat man.

 

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Das Steinerne Meer war noch ein kleines Stück entfernt, die Scharte zieht sich doch weit hinten rein und spannt einen auf die Folter. Der Anblick entschädigt aber sofort.

 

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Fern vorbei an der Hochbrunnsulzenscharte ging es gemütlich Richtung Wildalmkirchl Biwak, welches sich nach etwas mehr als einer Stunde präsentierte.

 

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Das Wildalmkirchl Biwak hatte an diesem Tag seinen 20. Geburtstag. Hochgeflogen per Hubschrauber, acht gemütliche Plätze, Kerzen, intakte Möbel und ausreichend Decken, alles für 7 Euro pro Nacht.

 

Wildalmkirchl BiwakWildalmkirchl BiwakWildalmkirchl Biwak

 

Kurz vor Erreichen des Wildalmkirchl Biwak holte ich drei Wanderer aus Berchtesgaden bzw. Piding ein. Trotz der Schönheit des Steinernen Meeres wäre es nach einem sehr anstrengenden Tag alleine etwas einsam geworden, sodass ich mit Glück einen wunderbaren Abend erlebte. Geschichten, Diskussionen, Kochen und ein dankbares Stamperl machten den Tag sofort zu mehr als einfach nur ein bisschen Urlaub.

 

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Wildalmkirchl Biwak1

 

Zum Biwak sei noch erwähnt, dass man als Kunde eines Handybetreibers rund um Sauerstoff vollen Empfang hat und ein notwendiger Notruf somit problemlos möglich ist. Als es dunkel war trat gegen 21 Uhr noch ein weiterer Wanderer ein. Es war ein Markierer aus Hinterthal. Er startete um 7 Uhr morgens mit 8 Eimern Farbe über die Torscharte und dem Brandhorn zum Biwak. Vor 20 Jahren baute er bereit mit und erlebte schon Nächte zu 25. darin. (2 pro Bett, der Rest am Boden)
Von der Hochbrunnsulzen zum Biwak waren die Markierungen schon sehr blass, aber noch gut erkennbar. Bei Nebel dürfte es schwer werden, aber der ÖTK hat sich dem Problem angenommen. Am nächsten Morgen hatte ich ja dann wieder den Genuss eines "renovierten" Weges, und auch hier waren die Markierungen großartig. Sollte man morgens im Biwak erwachen und in einer Dunstsuppe sitzen, bei der Klasse der Erkennbarkeit dürfte man sicher einen Ausweg aus dem Meer finden. Vorbildlich und respektabel.
Neuschnee gab es auch ums Biwak genug für den Tee am Morgen. Der Markierer erzählte von einer Tränke, welche 200m entfernt sein soll und bei Schneeresten in der Gegend auch Wasser führen soll. Gefunden haben wir sie nicht, er hatte den genauen Platz vergessen.

 

Wildalmkirchl Biwak

 

Richtung Brandhorn stand ab 8 Uhr ein langes Auf und Ab bevor. Vom Biwak zum Hochkönig sind 5 bis 7 Stunden angesetzt, netto ja nur 500m, brutto sollten es aber gut geschätzte 1200Hm bis 1300Hm hinauf werden, mit regelmäßigen Abwärtspassagen. Der erste Anstieg bringt einen aufs Brandhorn.

 

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Die Motivation blieb aber stetig hoch, da ab jetzt, abgesehen von einem späteren Zeitpunkt beim Weg Richtung Übergossene Alm, das Matrashaus in der Ferne das Ziel wiederspiegelte.

 

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Runter in die Torscharte, das Ziel vor Augen, den Wind um die Ohren, Tiere um einen herum und der Frage, ob die Stromleitung imposant oder einfach nur hässlich ist. Und, ob man doch über den Mooshammersteig den Hochsailer mitgehen soll zwecks seiner Schönheit. Letztendlich entschied ich mich für den Herzogsteig. Die Ungewissheit über den Zustand der Übergossenen Alm war zu groß, sodass ich keine evtl später nötigere Stunde opfern wollte.

 

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Der Herzogsteig ist einfach, stellenweise mit einer Kette gut gesichert und keine Herausforderung für Wanderer die die Baumgrenze öfters überschritten haben. Gegen 11:30 tat sich dann die Übergossene Alm auf.

 

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Wie im Steinernen Meer geht es stufig dem Schnee entgegen, bis kurz vor dem Eis die Markierung des Weges endet. Laut dem Hüttenbuch des Biwaks machten sich am Tag zuvor zwei Wanderer auf den selben Weg, was mir fertige und v.a. sichere Spuren lieferte. Durch den Neuschnee waren Steigeisen unnötig und die Überquerung eine Freude.

 

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Vorbei am Lammkopf ging es auf die Zielgerade. Aber nur vermeintlich. Denn jeder der aus dem Königsjodler erschöpft ausstieg weiß, es geht noch zweimal runter und wieder rauf. Auf knapp 3000m und nach einem langen Aufstieg ein Unterfangen voller Qual und Flüche. Dünne Luft und fast schon Verzweiflung, weil man dauernd denkt, dass es das nun gewesen sein muss, aber man ein weiteres Mal nochmal alles aus den Schenkeln holen muss.
Wobei der Anblick der bekannten Ameisenstraße einen schon schmunzeln lässt. ;)

 

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Gegen 14 Uhr war es dann aber endlcih soweit! Der Gipfel, ein gemütlicher Schlafplatz und Schönheit in allen Richtungen.

 

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 Am berühmtesten dürfte aber das Farbenspiel der Sonne sein.

 

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Ca. 50 Leute nächtigten im Matrashaus. Die Preise ließen mich aufgrund der Lage und der Anlieferung per Heli schnell wieder an München denken. Aber aus meiner Sicht ist dies bei den Umständen auch angemessen und es werden einem ordentliche Portionen geboten, gutes Essen, kostenlose Waschräume (wenn genügend Wasser vorhanden ist, was durch die neue Solarpumpe aber außer im Hochsommer immer der Fall sein dürfte) und ein Hüttenwirt, der es auch bei manchmal anfallenden 180 Gästen (bei 110 Schlafplätzen) schafft, einem ein Gefühl von persönlicher Bewirtung zu verschaffen.
Und außerdem muss man dort einfach mal über Nacht bleiben, denn für das folgende schon gegen 2 Uhr nachts aufbrechen wäre die Mühe zwar zweifelsfrei wert, aber doch sehr anstrengend.

 

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Der Abstieg Richtung Arthurhaus ist ein 10km langes, einfach zu gehendes Stück mit moderatem Abfall. Auf den ersten zwei Kilometern ist es noch ein ständiges Auf und Ab, dann geht es mit Blick auf die Torsäule angehnem abwärts. Sicherlich der einfachste Weg und auch vom Ausblick nicht ohne. Hier möchte ich mich noch bei der Maria bedanken. Eigentlich wollte ich über die Ostpreußenhütte zum Bahnhof nach Werfen, was statt 3,5h gut das doppelte gedauert hätte. Aber sie bot mir eine Mitfahrgelegenheit nach Bischofshofen an, wodurch ich gut 3 Stunden früher als geplant wieder in München war.

 

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Abschließend muss ich gestehen, dass der Verlauf dieser Tour sehr von Glück geprägt war. Sei es der Neuschnee, welcher mir Wasser und sicheres Geleit über die Übergossene Alm bot. Oder die Menschen, welche mir die Abende verschönerten und mir ihre Hilfe gaben, per Mitfahrgelegenheit oder Spuren im Schnee. Und zu guter letzt das Wetter: 3 Tage lang strahlender Sonnenschein bei bester Aussicht, wann gibt es das schon am Hochkönig und im Steinernen Meer?
Ich kann diese Tour jedem nur an Herz legen, muss aber warnen. Das Wasser kann ein sehr großes Problem werden. Vielleicht wäre der Start am Riemannhaus sinnvoller, wo man ordentlich Nachfassen kann.
Und der Weg ist ein ewiger Hatsch. Alleine trotz aller Schönheit etwas trostlos weil er einfach nicht zu enden scheint und der Tatsache, dass der nächste Wanderer vielleicht erst in einigen Tagen auf dem selben Weg folgt. Dies stellt ja auch eine Gefahr dar.

17,5 Stunden war ich unterwegs und trotz aller Anstrengung war diese Tour ein unbeschreibliches Gefühl von Urlaub. Spätestens mit dem ersten Schritt ins Steinerne Meer war der Kopf frei und der Geist gefesselt von all den Eindrücken der Natur. Wer es etwas leichter will, möge die Variante über die Bertgenhütte wählen, wo aber etwas mehr Kraxelei angesagt ist.
Ich bin immernoch begeistert und werde sie wohl nicht so schnell vergessen.

 

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